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Barfuß durch Brettens Gassen

Seit 1957 gehört die "Zigeuner-Gruppe" mit ihren ärmlich gekleideten und barfüßigen Mitgliedern als "Fahrendes Volk" zum festen Bestandteil des mittelalterlichen Peter-und-Paul-Festes. Inspiriert durch einen Besuch der Landshuter Fürstenhochzeit entstand die Idee, sich als "Fahrende", angeschlossen an Landsknechtsgruppen oder städtische Müßiggänger, in zwielichtiger Existenz darzustellen. Achtung, Missachtung und Ansehen hingen im Mittelalter in entscheidendem Maße von der Kleidung ab, die einen wesentlichen Teil der persönlichen Habe ausmachte; durch ihre Kleidung sind die "Fahrenden" schon äußerlich als Außenseiter erkennbar. Dem Schicksal der Armut ausgeliefert und schutzlos innerhalb der Stadtmauern ein Lager suchend, trug die Gruppe die Entwicklung des Peter-und-Paul-Festes über die Nachkriegsjahre zum nunmehr schon seit den 80er Jahren bestehenden "Mittelalterlichen Treiben" mit. Die Vernachlässigung der gewohnten ständischen Ordnung innerhalb des Mittelalters und die Lebhaftigkeit in der Darstellung einer Randgruppe der mittelalterlichen Gesellschaft trug der Gruppe schnell den Namen "Zigeuner" ein.

 Mit hintergründiger Ironie wird jedoch als stolze Selbstbezeichnung der Begriff fahrendes "Volk" gepflegt, der ansonsten nur höheren Herrschaften vorbehalten war und damit die Oberschicht der "Fahrenden" selbstbewusst repräsentiert. Eine einheitliche Gruppe entsteht über die Jahre durch die Einbeziehung verschiedener Familiensippen jedoch nicht.